Jelem Romale
russische Zigeunermusik
Konzert am 22. 1. 2005 im Martin Luther Haus in Neuss 
Daumenkritik:
energisches doppeltes Daumenrecken und -strecken

Was für ein Ensemble: Eine Frau mit eindrucksvoller Stimme, eine andere mit ausdrucksstarker Stimme und eindrucksvollem Geigenspiel, zwei Männer an den Gitarren. Die Geigerin ist eine aus Aserbaidschan stammende junge Jüdin, die über Israel nach Deutschland gefunden hat, dazu ein deutschstämmiger Gitarrist aus Kasachstan, ein deutschstämmiger Gitarrist und Sänger aus Irkutsk in Sibirien - und die temperamentvolle Sängerin von der Ahr. Sie haben sich in der Gruppe Jelem Romale zusammengefunden und spielen die Musik der russischen Zigeuner.

Doch – man darf es so schreiben. Die Künstler selbst nennen es auch nicht anders und erläutern, dass die Zigeuner in Russland – anders als in den meisten anderen Ländern – nie diskriminiert worden sind, sondern sogar mehr als toleriert, nämlich in bestimmten Epochen der russischen Geschichte sogar bewundert wurden. Man könnte vermuten, dass die Musik dazu nicht unerheblich beigetragen hat. 

Allen Anlass zur Bewunderung für seine Interpretation der traditionellen Zigeunerweisen bietet das Quartett Jelem Romale, das nun in der Region Bonn zuhause ist. Prägend für den faszinierenden Gesamtklang sind vor allem die Stimmen von Claudia Bernads und Sabina Danilov, die außerdem mit ihrer Violine begeistert. Gerade mit der Geige können wie wohl mit kaum einem anderen Instrument Fröhlichkeit und Trauer, Melancholie und Freude transportiert werden, und Sabina Dalilov hat die beneidenswerte Fähigkeit, diesen Gefühlen mit unglaublicher Spielfreude auf den vier Saiten auszudrücken. 

Doch die Faszination ist noch steigerungsfähig, wenn der Gesang der Gruppe, in dem vor allem Claudia Bernads mit klarer, voller Stimme dominiert, mehrstimmig wird und die Lebendigkeit dieser Lieder mitreißt. Auch wenn das unmittelbar zuvor gespielte Lied sich in Melancholie verloren haben mag – Melancholie hier verstanden als intimste Form der Zuwendung für die Seele -, besteht nie die Gefahr, dass man sich als Zuhörer in Traurigkeit verliert, wenn anschließender Schwung sprühende Lebensfreude vermittelt. Da darf man, soll man dabei sein und kann sich schwerlich dem Zauber entziehen und dem Reiz verschließen.

Georg Kremel übernimmt vorwiegend den männlichen Gesangspart und erläutert zwischendurch mit augenzwinkerndem Charme die Lieder, ohne sich dabei zu sehr im Detail zu verlieren. Es entstehen keine Brüche, sondern es bleibt ein harmonisches Gesamtprogramm.  Gemeinsam mit Vladimir Belau spielt Georg Kremel Gitarre. Beide geben so den Liedern auch das nötige melodische und rhythmische Gerüst, wobei sie immer wieder durchklingen lassen, dass ihre Fähigkeiten auf den Instrumenten weit darüber hinaus reichen.

Es ist das Repertoire, das den Reiz des Programms aus macht: Das nahezu gleichgewichtige Nebeneinander von fröhlichen, mitreißenden Tanzliedern und dann wieder getragenen, aber nie deprimierenden Weisen, die zu Herzen gehen und mit feinfühligen Geigenpartien wohlige Gänsehaut auslösen. So werden die Gefühle in eine angenehme „Schaukel“ genommen, die ein erfrischendes Auf und Ab in unterschiedliche Stimmungen ermöglicht. Ein Jammer, wenn man sich vorstellt, dass gerade die melancholischen Lieder der Gruppe bei Auftritten, die nicht die geeigneten Rahmenbedingungen dafür bieten, zu kurz kommen, doch wer mag sich bei Weinfesten schon die "Weinseligkeit" vermiesen lassen...

Fazit: Man kann nur wünschen, dass Jelem Romale sich in nächster Zukunft für ihr gesamtes musikalisches Spektrum ein weitaus größeres Publikum erschließt, dass weltmusikalische Veranstalter ohne jegliches Zögern zugreifen und bei dieser sympathischen Band „die Post abgeht“. Sie ist schlicht und einfach klasse.

                             Dieser Artikel kommt von: (Gerd Schinkel)

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